Es Iserlohnt sich!

Jetzt ist es wieder soweit. Ich sitze an einem Tisch, rede in ein Mikrofon und starre in erwartungsvolle Gesichter. Vor mir liegen Zettel mit Geschichten, Notizen und wahrscheinlich steht auch irgendwo ein Bier in der Nähe. Ich lese. In meiner Heimat. In Iserlohn. Das erste Mal. Die Stadt hab ich vor 10 Jahren verlassen, bin nach Dortmund ausgewandert. Mir ging hier einfach alles auf den Sack. Angefangen bei dem lächerlichen Nachtleben, das damals auf dem Tiefpunkt war, über das kulturelle Angebot bis hin zu den Arschlöchern, die mich nachts auf dem Nachhauseweg versuchen abzustechen, nur weil ich ihnen ein „Frohes Neues“ gewünscht habe. Eigentlich wollte ich nie weg, wollte in Iserlohn bleiben, eine Familie gründen, ein kleines Häuschen in...

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Mach endlich!

Das ist schon ein seltsames Gefühl. Aber es ist ein Gefühl. Das ist ja schon mal was. Seit Stunden sitze ich jetzt schon hier und starre abwechselnd auf meine Füße und auf meinen Hund. Mein Hund, das ist Wanda. Windhundmischling, 12 Jahre alt, Tierheimabsolvent, Freigeist, Dackelhasser und professionelle Schnüfflerin. Sie folgt mir auf Schritt und Tritt. Das hat einerseits mit der Leine zu tun, an der ich sie hinter mir her ziehe, andererseits mit der Loyalität, die nur ein Hund zu empfinden vermag. Ich muss nochmal kurz auf meine Füße starren. Alles ok. Alle Füße sind noch da. Nach unten sehe ich in letzter Zeit oft viel lieber, als nach oben. Oben sind die Arschlöcher. Die Macher. Die Besseren. Die, die denken, sie wären wirklich oben, und das meine...

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Die Ruhe nach dem Sturm

Es ist noch dunkel draußen, als ich das erste Mal wach werde. Die Schmerzen sind stark und stechend, ich greife mir an die Brust, den Bauch, die Nieren. Alles tut mir weh, ich kann es gar nicht richtig lokalisieren oder beschreiben. Es fühlt sich an, wie eine Mischung aus einer nicht enden wollenden Blähung, die sich verkeilt hat und den Folgen eines festen Fußtritts in die Rippen. Ich drehe mich von einer Seite auf die andere, stöhne und fluche in verschiedenen Lautstärken. Gestern hab ich noch gemütlich vor einer Kneipe im Dortmunder Norden gesessen und hatte neben drei Kronen Pils einen leckeren Salat mit gratiniertem Schafskäse, um den Abend abzuschließen. Dabei hätte ich’s belassen sollen. Hab ich aber nicht. Kurz nach 22.00 mache ich mich mit...

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„Safety Dance“

Wir sitzen vor dem TV, es läuft. Es läuft gut für uns. Obwohl Phillip, der Klassensprecher, gesagt hat, dass er nächstes Jahr nicht mehr am Turnunterricht teilnehmen wird. Das trifft uns. Das trifft uns richtig hart.   Schon komisch, wie sehr uns solche Sachen mitnehmen. Wir trauern. Wir trauern um Menschen, die wir nicht kennen. Nicht um alle. Und nicht mal um die, die sterben. Wir trauern um die, die uns verlassen, die unsere Welt verlassen, die wir uns aufgebaut haben. Das ist nicht die Welt, die wir kennen, sondern die Welt, die wir vorgesetzt bekommen. Vorgesetzt durch Fernsehen und Zeitungen, vorgesetzt durch Meinungen anderer und Bilder der Chefredakteure, die uns dafür fähig erachten, das zu ertragen, was sie uns präsentieren. Schlagzeilen...

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Das Glück der Erde

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. Auf dem Rücken der Pferde? Wer hat sich denn den Schwachsinn ausgedacht? Ich war´s nicht. Ich hab aber auch noch nie nachgesehen. Als ich sieben Jahre alt war, hatte ich die Möglichkeit, mal nachzusehen. Genauer gesagt hätte ich unter meinem Arsch nachsehen müssen, denn damit sass ich ja schliesslich auf dem Rücken des Pferdes.   Ein Gaul, so gross wie ein Feuerwehrauto, so mein Eindruck damals. Das Glück zu dieser Zeit bestand eher darin, diesen Ritt lebend zu beenden. Ich hasste Pferde. Heute machen sie mir nur noch Angst, weil sie so emotionslos aussehen. Diese riesigen Augen, die langen Beine und dann noch die Youtube Videos, in denen sie Leuten in die Oberarme beissen oder ihnen mit einem Tritt...

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Kommune44

Dieser Text hier ist exklusiv für die „Kommune44“, eine elektronische Partyreihe in Dortmund, verfasst worden, in deren Rahmen ich am 28.03.2014 im Weinkeller, Dortmund gelesen habe. An diesem Abend wurde Mahan´s Geburtstag gefeiert, DJ der ersten Stunde und einer meiner Freunde und XBox-Gegner. Dank geht nochmals an Aleksander Dimitrijevic (Disha), der das ermöglicht hat und Veranstalter, DJ und dazu auch noch Freund und Kupferstecher ist.   Heute ist die Lesung. Verdammt, heute, jaaaa. Ich hab’s fast vergessen, obwohl Disha mich jeden Tag schon zwei Wochen vorher genervt hat. „Ey, du Lutscha! Poste ma die Party auf deiner Seite…, was los?!“ Also nochmal den Flyer gepostet, schnell fertig machen, duschen, dabei schief...

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Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Ich bin hier schließlich in meinem eigenen Land, da kann man mir nicht den Mund verbieten. Dafür zahle ich schließlich Steuern und außerdem leben wir in einer Demokratie. Also zumindest soll das hier ja eine Demokratie sein. Auch wenn ich momentan und eigentlich schon seit vielen Jahren, ja eigentlich immer schon, den Eindruck hatte, dass hier alles über meinen Kopf hinweg entschieden wird. Mitspracherecht hab ich ja nicht. Die da oben entscheiden und der kleine Mann muss alles schlucken. Und ausbaden. Und bezahlen. Ja, bezahlen muss der kleine Mann alles. Die da oben werden immer fetter und ich muss denen ihren Scheiss bezahlen. Da kann doch keiner von Gerechtigkeit reden. Schon lange nicht mehr. Hier läuft alles aus...

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