El Condor Pasa

Ich hasse Chuck Taylors. Diese Leinenturnschuhe, die nicht nur Scheisse aussehen, sondern auch noch extrem schädlich für die Füße sind, haben mir noch nie gefallen. Trotzdem hab ich welche. In Camouflagemuster. Sie sind halt praktisch und nehmen selbst im Handgepäck nicht zu viel Platz weg. Ich fliege gleich nach Hause, also nach Düsseldorf, was Gott sei Dank nicht mein Zuhause aber mein Flugziel ist. Die letzten Sandkörner schüttel ich aus den Chucks, packe sie in die blaue Ledertasche, die mein einziges Gepäck sein wird, und fahre mit meiner alten Freundin in Richtung Flughafen. Wir haben uns vor zwanzig Jahren kennengelernt und uns seitdem nicht mehr gesehen. Letzte Woche hab ich sie dann auf Facebook entdeckt, irgendwo in der Freundesliste einer...

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Amputationen, Nutten und andere Zufälle

Klaus ist tot. Seit ein paar Jahren schon. Er kam aus Regensburg, war ein bekannter Tätowierer, Lottogewinner, Lebemann, Alkoholiker und Millionär, eine wunderbare Mischung. Zum ersten Mal getroffen habe ich Klaus in den 90ern auf irgend einer Tattooconvention in Österreich, wo wir beide gearbeitet haben. Danach haben wir uns für ein paar Jahre aus den Augen verloren. Bis zu diesem Urlaub in Bulgarien, in dem Klaus mir die unglaublichste Geschichte erzählte, die ich jemals gehört habe. Eine Geschichte, die so absurd war, dass sie eigentlich nicht wahr sein konnte. Eine Geschichte über das Schicksal, über vermeintliche Zufälle und über göttliche Fügung. Wir haben alle noch verschlafene Gesichter, teilweise mit Liegefalten des Kopfkissens auf der...

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Mann ohne Manko

Die Augen lassen sich nur schwer öffnen, der Körper ebenso schwer aus dem Bett bewegen, die Nacht war kurz und nicht erholsam. Montag, Wochenbeginn und die monoton wiederkehrende Einleitung zur Unerträglichkeit des Arbeitslebens. Kaffee, Hundespaziergang, Kacken, Duschen, Autofahrt, Radio ausmachen, Menschen hassen, nicht reden. An der Ampel kurzer Blick aufs Handy, die Rotphasen reichen aus um Facebook zu checken. Das erste Foto in meiner Timeline öffnet sich dank reduzierter Internetgeschwindigkeit langsam von oben nach unten wie ein schließendes Garagentor. Ein Selfie. Aber ein gutes Selfie, nicht der übliche Duckface-Scheiß von überbräunten SB-Bäckerei Kassenkräften. Ein Freund hat sich selbst fotografiert, schwarzweiss, irgend ein Hipstamaticfilter...

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So ist das halt…

Freitag Abend, leicht bewölkt, ein arschkalter Dezembertag. Ich bekomme von all dem nichts mit. Da wo ich bin, ist es recht dunkel. Ich sitze im Theater. Ich sitze im Theater an einem Tisch. Ein kleiner Tisch mit dem Nötigsten bestückt und von oben leicht beleuchtet. Ich sitze im Theater der Stadt Dortmund an einem kleinen Holztisch und lese diese Geschichte. Vor mir sitzt das Publikum, Gäste, Freunde, Bekannte, zufällig Reingestolperte, wie auch immer. Vor mir sitzen auf jeden Fall Männer und Frauen. Die Männer sitzen hier weil sie entweder auf eklige Sachen und Literatur stehen oder weil sie von jemandem hierhin geschleppt wurden. Die Frauen sind hier weil sie auf eklige Sachen und Literatur stehen und nicht wussten, wo sie ihren Typen sonst hinschleppen...

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Es Iserlohnt sich!

Jetzt ist es wieder soweit. Ich sitze an einem Tisch, rede in ein Mikrofon und starre in erwartungsvolle Gesichter. Vor mir liegen Zettel mit Geschichten, Notizen und wahrscheinlich steht auch irgendwo ein Bier in der Nähe. Ich lese. In meiner Heimat. In Iserlohn. Das erste Mal. Die Stadt hab ich vor 10 Jahren verlassen, bin nach Dortmund ausgewandert. Mir ging hier einfach alles auf den Sack. Angefangen bei dem lächerlichen Nachtleben, das damals auf dem Tiefpunkt war, über das kulturelle Angebot bis hin zu den Arschlöchern, die mich nachts auf dem Nachhauseweg versuchen abzustechen, nur weil ich ihnen ein „Frohes Neues“ gewünscht habe. Eigentlich wollte ich nie weg, wollte in Iserlohn bleiben, eine Familie gründen, ein kleines Häuschen in...

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Mach endlich!

Das ist schon ein seltsames Gefühl. Aber es ist ein Gefühl. Das ist ja schon mal was. Seit Stunden sitze ich jetzt schon hier und starre abwechselnd auf meine Füße und auf meinen Hund. Mein Hund, das ist Wanda. Windhundmischling, 12 Jahre alt, Tierheimabsolvent, Freigeist, Dackelhasser und professionelle Schnüfflerin. Sie folgt mir auf Schritt und Tritt. Das hat einerseits mit der Leine zu tun, an der ich sie hinter mir her ziehe, andererseits mit der Loyalität, die nur ein Hund zu empfinden vermag. Ich muss nochmal kurz auf meine Füße starren. Alles ok. Alle Füße sind noch da. Nach unten sehe ich in letzter Zeit oft viel lieber, als nach oben. Oben sind die Arschlöcher. Die Macher. Die Besseren. Die, die denken, sie wären wirklich oben, und das meine...

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Die Ruhe nach dem Sturm

Es ist noch dunkel draußen, als ich das erste Mal wach werde. Die Schmerzen sind stark und stechend, ich greife mir an die Brust, den Bauch, die Nieren. Alles tut mir weh, ich kann es gar nicht richtig lokalisieren oder beschreiben. Es fühlt sich an, wie eine Mischung aus einer nicht enden wollenden Blähung, die sich verkeilt hat und den Folgen eines festen Fußtritts in die Rippen. Ich drehe mich von einer Seite auf die andere, stöhne und fluche in verschiedenen Lautstärken. Gestern hab ich noch gemütlich vor einer Kneipe im Dortmunder Norden gesessen und hatte neben drei Kronen Pils einen leckeren Salat mit gratiniertem Schafskäse, um den Abend abzuschließen. Dabei hätte ich’s belassen sollen. Hab ich aber nicht. Kurz nach 22.00 mache ich mich mit...

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