Apokalyptusbonbon

Meine Fresse! Patatas Brava sind echt lecker, mit dem Knoblauchanteil verliert man allerdings alle Freunde für die kommenden drei Tage. Die ölige Suppe, in der sie liegen und mich anlächeln wird gierig von meinem Weißbrot aufgesaugt und wärmt mir die glänzenden Fingerkuppen, bevor der olfaktorische Nahkampf in meinem Mund verschwindet. Ich grinse. Essen ist was richtig Gutes. Mir fallen außer Ficken, Trinken und feuchtem Klopapier wenig Dinge ein, die mich so debil lächeln lassen. Das Restaurant ist eine Tapas-Bar. Nicht diese supermodern beleuchteten Yuppieläden, in denen es Gletscherwasser für acht Euro gibt und die Kellner so Sachen sagen, wie: „Hi there, mein Name ist Paul-Johann-Maria und ich sorge heute für euer leibliches Wohl“ Nein,...

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El Condor Pasa

Ich hasse Chuck Taylors. Diese Leinenturnschuhe, die nicht nur Scheisse aussehen, sondern auch noch extrem schädlich für die Füße sind, haben mir noch nie gefallen. Trotzdem hab ich welche. In Camouflagemuster. Sie sind halt praktisch und nehmen selbst im Handgepäck nicht zu viel Platz weg. Ich fliege gleich nach Hause, also nach Düsseldorf, was Gott sei Dank nicht mein Zuhause aber mein Flugziel ist. Die letzten Sandkörner schüttel ich aus den Chucks, packe sie in die blaue Ledertasche, die mein einziges Gepäck sein wird, und fahre mit meiner alten Freundin in Richtung Flughafen. Wir haben uns vor zwanzig Jahren kennengelernt und uns seitdem nicht mehr gesehen. Letzte Woche hab ich sie dann auf Facebook entdeckt, irgendwo in der Freundesliste einer...

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Amputationen, Nutten und andere Zufälle

Klaus ist tot. Seit ein paar Jahren schon. Er kam aus Regensburg, war ein bekannter Tätowierer, Lottogewinner, Lebemann, Alkoholiker und Millionär, eine wunderbare Mischung. Zum ersten Mal getroffen habe ich Klaus in den 90ern auf irgend einer Tattooconvention in Österreich, wo wir beide gearbeitet haben. Danach haben wir uns für ein paar Jahre aus den Augen verloren. Bis zu diesem Urlaub in Bulgarien, in dem Klaus mir die unglaublichste Geschichte erzählte, die ich jemals gehört habe. Eine Geschichte, die so absurd war, dass sie eigentlich nicht wahr sein konnte. Eine Geschichte über das Schicksal, über vermeintliche Zufälle und über göttliche Fügung. Wir haben alle noch verschlafene Gesichter, teilweise mit Liegefalten des Kopfkissens auf der...

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Mann ohne Manko

Die Augen lassen sich nur schwer öffnen, der Körper ebenso schwer aus dem Bett bewegen, die Nacht war kurz und nicht erholsam. Montag, Wochenbeginn und die monoton wiederkehrende Einleitung zur Unerträglichkeit des Arbeitslebens. Kaffee, Hundespaziergang, Kacken, Duschen, Autofahrt, Radio ausmachen, Menschen hassen, nicht reden. An der Ampel kurzer Blick aufs Handy, die Rotphasen reichen aus um Facebook zu checken. Das erste Foto in meiner Timeline öffnet sich dank reduzierter Internetgeschwindigkeit langsam von oben nach unten wie ein schließendes Garagentor. Ein Selfie. Aber ein gutes Selfie, nicht der übliche Duckface-Scheiß von überbräunten SB-Bäckerei Kassenkräften. Ein Freund hat sich selbst fotografiert, schwarzweiss, irgend ein Hipstamaticfilter...

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So ist das halt…

Freitag Abend, leicht bewölkt, ein arschkalter Dezembertag. Ich bekomme von all dem nichts mit. Da wo ich bin, ist es recht dunkel. Ich sitze im Theater. Ich sitze im Theater an einem Tisch. Ein kleiner Tisch mit dem Nötigsten bestückt und von oben leicht beleuchtet. Ich sitze im Theater der Stadt Dortmund an einem kleinen Holztisch und lese diese Geschichte. Vor mir sitzt das Publikum, Gäste, Freunde, Bekannte, zufällig Reingestolperte, wie auch immer. Vor mir sitzen auf jeden Fall Männer und Frauen. Die Männer sitzen hier weil sie entweder auf eklige Sachen und Literatur stehen oder weil sie von jemandem hierhin geschleppt wurden. Die Frauen sind hier weil sie auf eklige Sachen und Literatur stehen und nicht wussten, wo sie ihren Typen sonst hinschleppen...

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Es Iserlohnt sich!

Jetzt ist es wieder soweit. Ich sitze an einem Tisch, rede in ein Mikrofon und starre in erwartungsvolle Gesichter. Vor mir liegen Zettel mit Geschichten, Notizen und wahrscheinlich steht auch irgendwo ein Bier in der Nähe. Ich lese. In meiner Heimat. In Iserlohn. Das erste Mal. Die Stadt hab ich vor 10 Jahren verlassen, bin nach Dortmund ausgewandert. Mir ging hier einfach alles auf den Sack. Angefangen bei dem lächerlichen Nachtleben, das damals auf dem Tiefpunkt war, über das kulturelle Angebot bis hin zu den Arschlöchern, die mich nachts auf dem Nachhauseweg versuchen abzustechen, nur weil ich ihnen ein „Frohes Neues“ gewünscht habe. Eigentlich wollte ich nie weg, wollte in Iserlohn bleiben, eine Familie gründen, ein kleines Häuschen in...

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