Das schlechte Gefühl

Du hast bestimmt gerade die Geschichte gelesen, die im Blog direkt unter dieser Geschichte steht. Das schöne Gefühl. Vergiß den Scheiß. Ich muss nüchtern gewesen sein als ich das geschrieben habe.

Eigentlich geht es nämlich nur um das schlechte Gefühl. Es hat so viel Kraft, so viel Energie, es lädt dich auf mit genügend Power um sogar Katzenbabys zu hassen. Das schlechte Gefühl ist ein Motor, ein wahnsinnig starker Antrieb, das Todesaggregat in deiner kackschwarzen Seele.

Das schlechte Gefühl treibt dir die Augen aus deiner Denkhöhle als wolltest du sie den ganzen unwerten Atemluftverbrauchern um dich herum entgegenschiessen. Halsschlagadern dick wie Regenwürmer treten hervor wenn sich das schlechte Gefühl breitmacht und deine Hirnrinde mit totaler Ablehnung verseucht. David Hasselhoff isst in deinem Gehirn einen Burger und räkelt sich besoffen in deinen Gedanken während „I´ve been looking for freedom“ in Dauerschleife durch dein Innenohr pfeift.

Das schlechte Gefühl ist natürlich kein Dauerzustand, es kommt und geht und man bemerkt es manchmal gar nicht, wenn es heran rollt wie Tine Wittler, die hämisch lächelnd kleine sozialkompetenzvernichtende Handgranaten in deinem Emotionszentrum als Dekoration drapiert. Anfangs windest du dich noch, wehrst dich gegen das schlechte Gefühl weil du gut sein willst, gut wie ein regenbogenscheißendes Einhorn, das verhungernde, afrikanische Kinder vor dem angreifenden orangenen Präsidenten der USA reitend in sicheres Terrain bringt um sie dort mit Skittles zu füttern und ihnen danach die aufgeblähten Bäuche zu streicheln während du „Last Christmas“ von Wham summst. Aber das bist du nicht. Das bist nicht du!

Du bist der, der sich aufbäumt. der genug hat von diesem ganzen Schmutz, dem Dreck, der Ungerechtigkeit und dem Ekel, der dich umgibt. Dieses schlechte Gefühl kommt hoch und zerfrisst deine Organe auf dem Weg zum Gehirn und dann….dann lässt du es zu.

Du lässt es raus und geniesst es, suhlst dich in deiner Ablehnung, Auflehnung, deiner totalen Verweigerung länger hinzusehen. Das Gefühl ist da. Das schlechte Gefühl. Du bemerkst es täglich. Immer häufiger. Meist erst bei kleinen Dingen. Es überkommt dich wenn du den USB-Stick falsch herum reinsteckst.

Es überkommt dich wenn deine Kippen nach geteertem Klostein schmecken weil du krank wirst, es überkommt dich weil der Intervallscheibenwischer nie dem Intervall des Regens entspricht, egal wie sehr du dich auch bemühst, ihn richtig einzustellen. Das schlechte Gefühl überkommt dich schon morgens wenn der Wasserbehälter deiner Kapselkaffeemaschine leer ist und du nach dem Auffüllen merkst, dass du auch keine Kapseln mehr hast.
Es überkommt dich wenn alte Männer an der Bushaltestelle neben dir husten und dann einen Schleim ausspucken mit dem man die brennenden Ölquellen von Mossul umgehend und für immer löschen könnte.

Das schlechte Gefühl ist da wenn du beim Tanken 20,01€ auf der Uhr hast und die dann auch noch auf den Cent genau bezahlen musst, wenn du selbst beim Kauf von Jägermeister und Kondomen nach deiner Payback-Karte gefragt wirst, wenn Linksabbieger, die du vorlässt, sich nicht bedanken, wenn dein Handy kurz vor Ende der Softwareaktualisierung ausgeht, wenn du direkt nach dem Duschen kacken musst und auch wenn dir im Fernsehen erklärt wird, daß du dich nicht beim Rasieren geschnitten sondern nach der Morning Routine Hautirritationen hast. Es ist zum Kotzen!

Menschen, die „Einzigste“ und „besser wie“ sagen, Menschen, die Crocs tragen, Menschen, die sich beim Husten die Hand nicht vor den Mund halten und Menschen, die 10 Minuten vor dir in der Schlange stehen und wenn sie dran sind sagen „Äääääääh, was neeeeeehm ich denn….?“

Menschen, die dir sagen, daß sie nicht damit gerechnet haben daß Glenn stirbt bevor du die Folge The Walking Dead gesehen hast. Menschen, die The Walking Dead gar nicht sehen wollen. Menschen, die den Charakter Tyrion Lannister für den besten von The Walking Dead halten und Menschen allgemein.

Das schlechte Gefühl kommt hoch wenn du im Bad ein nasses Handtuch erwischt, wenn du gerade im Auto sitzt und noch mal hoch in die Wohnung musst weil du dein Handy vergessen hast, wenn du in der Wohnung bist und merkst, daß dein Handy doch im Auto liegt.

Wenn du dir die saftige Stelle vom Big Mac freigeknabbert hast und dein Freund oder deine Freundin dir diese Stelle rausbeißt, wenn du im Gespräch jemandem gegenübersitzt, der nach kaltem Zigarettenrauch riecht, wenn du dir die Wahlergebnisse in den USA ansiehst, wenn du Samstagabends rausgehst und du in einen fremden Junggesellenabschied gerätst, wenn du glaubst durch festeres Drücken auf der Fernbedienung die leeren Batterien auszugleichen und erst Recht wenn du im Dortmunder Kreuzviertel einen Parkplatz suchst.

Es überkommt dich bei Starbucks, wenn der Wichser hinter dem Tresen nicht glauben will, daß du Spartacus heisst, wenn du morgens noch im dunklen Winter deinen Wagen von Eis freikratzt und dann merkst, daß es der Wagen deines Nachbarn war. Wenn das Spiegelei zerläuft bevor du es anstechen konntest, wenn der Festplattenrekorder die letzten drei Minuten des Films nicht aufgenommen hat und wenn du auf ner Dancehallparty vom Märkisch-Kongo-Movement als DJ gefragt wirst, ob du nicht mal UB40 auflegen kannst.

Das Gefühl mag bei jedem anders sein, jeder erlebt es mal stärker oder schwächer aber jeder kennt es. Dem einen macht es vielleicht nichts aus wenn der Wetterfrosch nach den Nachrichten Dauerregen und heftige Winde für seinen ersten Urlaubstag verkündet und ein anderer zuckt vielleicht gleichgültig mit den Schultern wenn die Fotze hinter dem Bäckereitresen das belegte Brötchen in Remoulade ertränkt. Aber trotzdem hat jeder dieses Gefühl.

Ich hab nur versucht, es zu beschreiben aber das ist gar nicht so einfach. Weil es so gleich und doch so unterschiedlich sein kann. Aber ich kann mir nicht vorstellen, daß es Menschen gibt, die es gar nicht haben. Ich glaube, es ist genau das, was uns alle gleich macht, uns vereint. Es ist das, was uns menschlich macht. Das schlechte Gefühl.

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