Apokalyptusbonbon

Meine Fresse! Patatas Brava sind echt lecker, mit dem Knoblauchanteil verliert man allerdings alle Freunde für die kommenden drei Tage. Die ölige Suppe, in der sie liegen und mich anlächeln wird gierig von meinem Weißbrot aufgesaugt und wärmt mir die glänzenden Fingerkuppen, bevor der olfaktorische Nahkampf in meinem Mund verschwindet. Ich grinse. Essen ist was richtig Gutes. Mir fallen außer Ficken, Trinken und feuchtem Klopapier wenig Dinge ein, die mich so debil lächeln lassen.

Das Restaurant ist eine Tapas-Bar. Nicht diese supermodern beleuchteten Yuppieläden, in denen es Gletscherwasser für acht Euro gibt und die Kellner so Sachen sagen, wie:

„Hi there, mein Name ist Paul-Johann-Maria und ich sorge heute für euer leibliches Wohl“

Nein, so ein ganz gemütlicher, schammeliger Laden mit Senseo-Kaffemaschine für die Angestellten und einem hässlichen, grün gefliesten Waschraum für die Gäste. Ein Laden mit Wandschmuck, der Augenkrebs verursacht und trotzdem superleckeres Essen anbietet, das eine übergewichtige Spanierin verschwitzt und sachkundig im Hinterzimmer zubereitet. Ich gurgel mit dem leicht säuerlichen, unterkühlten Weißwein die letzten Speisereste hinunter, als mein Blick durch das Restaurant schweift.

An den anderen Tischen sitzen Afterwork-Kollegen, Liebespärchen und stumme Ehepartner, die den vollen Mund als Legitimation nutzen, überhaupt nicht mehr miteinander kommunizieren zu müssen. Aber auch die anderen Gäste reden recht wenig miteinander. Ich höre kein Gemurmel, keine Tuscheleien oder leises Lachen, es ist fast gespenstisch still. Es liegt nicht am guten Essen, das die Gäste von Unterhaltungen abhält, es ist….ihr Smartphone.

Bis auf ein paar Ausnahmen haben alle ein vom Display beleuchtetes Gesicht. Sie starren nach unten, lächeln, tippen, wischen über ihren batteriebetriebenen Begleiter, der ab und an verzückt summt, vibriert oder leise klingelt. Niemand unterhält sich mit seinem fleischlichen Gegenüber, niemand streichelt die Hand seines Partners auf der Tischdecke liegend oder berührt mit dem Fuß unter dem Tisch das Bein des Anderen. Keine Liebkosungen, keine Herrenwitze, keine Trinksprüche. Nur Zombies mit 64 Gigabyte Speicherkapazität.

Ich hab mein Handy auch dabei, es liegt mit dem Display nach unten neben meinem Weinglas und ist auf lautlos gestellt. Ohne das Ding gehe ich nicht mehr aus dem Haus. Nie. Ich nehme es zum Kacken mit aufs Klo, zum Hundespaziergang, ins Pornokino und ich mache sogar Selfies von mir und dem Grab meiner Eltern beim jährlichen Friedhofsbesuch. Mein Handy ist mein Freund. Ein asozialer Freund, der mich hemmt und gesellschaftlich ausgrenzt, aber ein Freund. Mein Freund sagt mir, wer mich in eine WhatsApp Gruppe eingeladen hat, ob mein Facebookprofilfoto auch anderen außer mir gefällt und wer beim Quizduell tatsächlich noch dämlicher ist, als ich selbst. Mein Freund weckt mich morgens, erinnert mich an Geburtstage und informiert mich über das Wetter, ohne aus dem Fenster sehen zu müssen.

Meine Fotos überzieht mein Freund mit verschiedenen Filtern und Effekten und Emails erreichen mich unter den seltsamsten Umständen, wie zum Beispiel bei einem Festival auf dem Dixieklo. Mein smarter Freund benachrichtigt mich wenn über Foursquare wenn Herr Drees im Westpark Bier säuft und mein Freund versendet Bilder von meinem Schwanz an Frauen aus der ganzen Welt. Wer hätte das gedacht? Damals!

Damals, als man noch mit dem roten Plastikklotz der Eltern telefonieren musste. Die Schnur aufgerollt über dem Arm, verschwand ich in meinem Kinderzimmer, damit niemand im Wohnzimmer mithören konnte. Verließ man das Haus, musste man eine der gelben Kisten suchen, die dreißig Pfennig schluckten und schwenkbare und halb verbrannte Telefonbücher beherbergten.

Heute sehen Telefonzellen aus wie Wahlkabinen im Jahr 2034 und sind wesentlich seltener zu finden. Wie viele Tage ich wohl zusammen gerechnet damit verbracht habe, die verdrehte Schnur des Hörers zu entwirren, nachdem ich mit Freunden von zu Hause aus telefoniert habe. Heute ist das anders.

Alle, wirklich alle, sitzen, stehen oder laufen mit ihrem Telefon oder Tablet durch die Gegend und starren apathisch auf die neuesten Tweets, Mails und Posts. Wie Zombies. Elektro-Zombies. Ich stecke mir eine vor Fett triefende Dattel im Speckmantel in den Mund und stelle mir vor, wie diese Untoten nach dem Restaurantbesuch stöhnend, die Arme nach vorne streckend, durch Dortmund wandern. Auf der Suche nach Gehirn und kostenlosem W-Lan. Was wäre eigentlich, wenn es wirklich Zombies geben würde, wenn wirklich eine Apokalypse der lebenden Toten drohen würde, wenn man ernsthaft kämpfen müsste, um zu überleben?

Ich bin seit Jahren ein großer Fan von Endzeitfilmen, die Vorstellung, nach einem Chemiesupergau, einem Atomkrieg oder einem seuchenbringenden Virus, auf sich selbst gestellt zu sein und das eigene Überleben plus das, deiner Lieben, mit allen Mitteln zu erhalten, hat mich schon immer umgetrieben. Freunde von mir haben im Wohnzimmer so eine Art Holzkasten mit Glasscheibe an der Wand hängen, unter dem ein Schild sagt:

„In case of zombies break glass“

Dieser Kasten ist etwa ein Meter mal fünfzig Zentimeter groß und hinter der Glasscheibe befindet sich eine Axt, ein Verbandskasten, ein Jagdmesser, eine Flasche Whiskey und ein fetter Joint. Ich weiß nicht genau, ob ich unbedingt bekifft sein möchte, wenn ich im Laufschritt mit einer abgesägten Schrotflinte über den Westenhellweg in Dortmund renne, um sabbernden Gehirnfressern zu entkommen. Wahrscheinlich schon.

Hat das Licht in der Tapasbar gerade geflackert? Es kommt mir trüber vor als vorhin. Ich sehe vom Weissburgunder beduselt an die Decke und stelle mir vor, wie die Dortmunder Zombieapokalypse wohl in Wirklichkeit ablaufen würde…

9:23 Uhr, der Radiowecker bimmelt mich aus meinem feuchten Traum, als der Moderator der Frühstückssendung seine flachen Wortwitze unterbricht, um eine Sondermeldung zu verkünden.

„Achtung, dies ist ein Aufruf des Bundesseuchenamtes. Bitte bewahren Sie Ruhe und folgen Sie den Anweisungen. Ein Virus unbekannter Herkunft sorgt seit heute Nacht für drastische Veränderungen innerhalb unserer Gemeinschaft. Vermeintlich tote Personen stehen wieder auf und greifen die Lebenden an. Das Virus wird durch Bisse übertragen und ist von hoher Gefährlichkeit. Bitte bleiben sie in ihren Wohnungen und Häusern und vermeiden Sie Kontakt zu anderen Menschen, die ihnen irgendwie auffällig erscheinen. Lassen Sie ihr Radio eingeschaltet und warten Sie auf weitere Instruktionen“

Ich schrecke hoch und vervollständige in meinem Kopf den Aufruf des Radiomoderators mit dem Satz:

„They can only be stopped by removing the head or destroying the brain!“

Beim Aufstehen räume ich versehentlich mit meiner Morgenerektion zwei leere Flaschen Kronen Pils von der Fensterbank und stürme ins Bad. Kurz waschen, Zähne putzen und dann an den Rechner. Die Facebookseite öffnet sich sehr langsam, die Server scheinen überlastet. In meiner Timeline sehe ich die ersten Posts und Bilder von Freunden und Bekannten, zuerst aber die von engen Freunden. Ein Ausdruck, der mich immer etwas horny macht.

Mein Kumpel Pierre hat sich dabei gefilmt, wie er mit seinem Rad durch eine Horde Zombies fährt und dabei einige von ihnen mit einem Poloschläger am Kopf trifft. Sieben Leuten gefällt das, Perkovitch kommentiert das Video mit den Worten „Läuft bei Dir!“

Darunter ein Beitrag aus der VICE mit dem Titel „Zombiesperma macht behindert“. Ich lache kurz über die Kommentare unter dem Artikel, die den Verfasser als beschissenen Zombiehipster beschimpfen und ankündigen, dass sie die Seite der VICE entliken werden.
Weiter unten dann ein Foto von einem Infizierten, meinen Freund Moppel hats anscheinend erwischt, er war aber noch in der Lage während seiner Verwandlung ein Bild von seinem Mittagessen zu machen, seinem Nachbarn, der hübsch angerichtet und mit etwas Basilikum verziert im Hausflur liegt. Ich bin kurz davor „Gönn Dir!“ unter das Foto zu posten, lasse es dann aber doch, da er es wahrscheinlich nicht mehr lesen wird.

Als ich ein paar Duckface-Zombie-Selfies wegklicke, erreicht mich eine Veranstaltungseinladung von Nabil zur Night of the drinkin‘ dead in Köln. Ich bin interessiert und sage meine Teilnahme zu.

Oh, eine persönliche Nachricht von Alex aus Hörde. Er schreibt:
„Aaaaaaaargggggghhhhhh grmmmmmmmmpf hrrrrrrrrrrrrrrrrrk“

Schade, er war einer von den Guten.
Ich seufze, entferne ihn aus meiner Freundesliste und schreibe einen Post:

„Wer meint, mir mit Zombie-Gelaber auf den Sack gehen zu müssen, kann sich direkt aus meiner Liste löschen. Ihr nervt!“

Zweiundzwanzig Leuten gefällt das. Ich lösche noch jemanden aus meiner Liste, der seine Teilnahme an einer PEGIDA-Demo bestätigt hat, also „Patriotische Einzeller gegen die Infizierung des Abendlandes“, und sehe über den leuchtenden Monitor hinweg aus dem Fenster. Die Mutti aus dem Haus gegenüber steht auf dem Balkon und blutet aus den Augen, verdammt, es sieht wirklich so aus, als würde es ernst. Ich weiß, dass es nicht ratsam wäre, das Haus zu verlassen, aber ich muss irgendwie zur Werkstatt, in der mein Motorrad steht. Es ist eine alte Yamaha SR500, die perfekte Einzylindermaschine mit Endzeitcharakter, um durch die Apokalypse zu ballern. Also raus aus der Nordstadt und ab in die Werkstatt.

Das Wetter ist eher trocken, ich entscheide mich trotzdem für die schweren Stiefel und eine schwarze Armeehose, dazu meine Lederjacke zur Abwehr gegen Bisse. Langsam taste ich mich durch den Hausflur in den Innenhof, ein Blick nach rechts, ein Blick nach links, alles in Ordnung. Das gleiche Spiel dann nochmal bevor es auf die Straße geht. Alles sieht aus wie immer. Überall liegt Müll rum, BvB Fahnen hängen aus den Fenstern der Nachbarn und flattern traurig im lauen Wind, eine junge, rumänische Frau knabbert an ihrem Ehemann während sein tiefschwarzer Schnurrbart wie die Borussiafahnen hin und her weht.

Ich schleiche mich an ihnen vorbei ohne mich bemerkbar zu machen und komme auf die Hauptstraße, die vollkommen leer ist. Nichts. Nichts und niemand. Keine Menschen, keine Autos, nicht mal Tauben, und das soll schon was heißen. Weit entfernt hört man einen Hund bellen, kurz darauf ein helles Jaulen, dann kein Bellen mehr. Ich versuche, nicht daran zu denken, was da wohl passiert sein könnte und renne bis zur nächsten Straßenecke.
Hier trifft die Münsterstrasse auf die Mallinckrodtstrasse, auch alles wie ausgestorben. Einer der schwarzafrikanischen Grasdealer, der immer so nett grüßt, wenn ich früher vom portugiesischen Restaurant nach Hause gegangen bin, liegt neben einer Bank auf dem Boden. Seine Eingeweide hängen aus seinem offenen Bauch und sein Gesicht scheint eingeschlagen worden zu sein, jemand wollte wohl auf Nummer sicher gehen. Ich pirsche mich vorsichtig an ihn heran, piekse mit einem Stock zwei- dreimal in seinen Oberschenkel, um zu sehen, ob er vielleicht doch noch lebt. Er lebt definitiv nicht mehr und ich taste vorsichtig seine Hosentaschen ab. Drei kleine Tütchen Gras hat er noch dabei, ich bedanke mich artig, lange Blättchen hab ich selbst, ich laufe rüber zur Münsterstrasse.

Verdammt, ich habe so einen Hunger, ich könnte ein Pferd fressen. Mit solchen Äußerungen sollte man jetzt allerdings vorsichtig sein, denn irgend jemand hat heute sicherlich schon ein Pferd gefressen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es im Sauerland aussieht. Jetzt werden da sicher die Tiere wie Schweine, Pferde und Schafe lebendig gefressen und nicht nur gefickt. Aber das soll nicht mein Problem sein.

Langsam gehe ich mit wachem Blick die Münsterstrasse hoch bis zum Sex-Shop. „Heute nicht“, denke ich so bei mir und gehe in die nächste Tür zu Ernie. Diese alte Kneipe ist schon oft ein rettender Hafen für mich gewesen, besonders wenn es mir dreckig ging, bin ich hier eingekehrt. Wanda, meine Hündin, legte sich dann immer vor dem Tresen auf die siffigen Fliesen, während ich auf den gusseisernen Barhockern mit den alten Holzsitzflächen Platz nahm und meine trockenen Lippen sich an der Flasche Siegel-Pils festsaugten.
Zwei oder drei andere Modernisierungsverlierer saßen immer mit am Tresen und schockten oder quatschten einfach nur mit Jupp oder Ute über Gott und die Welt. Heute nicht. Der Laden ist leer. Bis auf Ute ist niemand zu sehen, die Jukebox spielt „Sailing“ von Rod Stewart und der vertraute Geruch von Urin weht aus dem hinteren Teil der Toiletten zu mir nach vorn.

Mit ihrer leicht lispelnden, verrauchten Stimme krächzt sie mir zu:

„Sascha, Schätzelein, ich wollt dir gerade schon den Koteletthammer an die Birne werfen, hasse nomma Glück gehabt, da draußen sind heute nur Bekloppte unterwegs. Vorhin wollte mich der BvB-Tobi beißen. Gut, daß er keine Zähne mehr im Hals hat. Jetzt liegt er hinten im Hof. Wie isset dir? Siegel-Pils und Wodka?“

„Nee, Ute, lass gut sein, ich muss mein Mopped abholen und nach meiner Familie sehen. Da wären Schnaps und Bier wohl eher unangemessen, oder?“

Ute zieht eine Augenbraue hoch und stellt mir das Gedeck auf den Tresen, dessen grüne Resopalplatte sicher schon bessere Zeiten erlebt hat.

„Ich nehm‘ Beehlies, woh?!“ raunt sie hinterher. Sie betont den Namen dieses klebrigen Kaffelikörs immer so pottmässig, daß ich mir das Lachen nicht verkneifen kann und ihr beipflichtend zunicke. Wir stoßen an, ich trinke aus und verabschiede mich. Ute kann ich getrost alleine lassen, wenn sich jemand zu helfen weiß, dann Ute.

Vorsichtig öffne ich die quietschende Tür mit dem frischen Bild von Rookie darauf und sehe mich um. Niemand zu sehen. Gegenüber liegt jemand ohne Beine und mit eingehauener Rübe im Gras, ich gehe rüber und sehe, daß er eine Schrotflinte in den Händen hält. Sauber!

Mit der Plempe im Arm wage ich mich vorsichtig in die Innenstadt, die Brückstrasse. Sonst jeden Tag voller Zombies, sehe ich heute nicht eine einzige Gestalt rumlaufen, das ist seltsam. Als ich am Platz von Leeds ankomme, höre ich ein schlurfendes Geräusch und drehe mich schnell nach links. Direkt vor mir steht ein Mädel mit fettigen Haaren und geröteten Augen, das gerade aus dem Leeds Pub gekommen sein muss. Reflexartig reiße ich die Schrotflinte hoch und schieße ihr das Gesicht weg. Mit einem dumpfen Klatschen fällt sie nach hinten auf den Boden und bleibt regungslos liegen. Sie war gar kein Zombie aber sie hatte Ballerinas an, das ist ja wohl Grund genug.

„Das hast du davon!“ schreie ich sie an und renne weiter, da ich Angst habe, durch den Schuss noch mehr Ärger anzulocken.

Es ist nicht mehr weit bis zur Werkstatt, nur noch ein paar hundert Meter und ich kann auf dem Donnerhobel zu meiner Familie fahren und mich davon überzeugen, daß es Ihnen gut geht. Das Tor zum Hof der Werkstatt steht einen Spalt offen, das ist nicht gut. Trotzdem schleiche ich mich vorsichtig hinein. Eine Patrone habe ich noch in der doppelläufigen Flinte nachdem ich der Ballerina-Schlampe einen Tunnel in den Helm geballert habe, also wachsam sein und nichts verschwenden.
Ich öffne die kleine, metallene Tür mit den abgeknibbelten Castrol-Aufklebern und da sehe ich sie vor mir. Meine geliebte Yamaha SR500. Sie ist in einem hässlichen Grünmetallic lackiert, das einzige Manko, wenn das hier vorbei ist, werde ich sie mausgrau machen lassen und irgendeinen Zombiekiller-Schwachsinns-Schriftzug auf den Tank kleben. Ich öffne die Tür und schiebe das Mopped vorsichtig auf den Hof, nach dem dritten Antreten springt sie an. Ok, sie muss repariert worden sein, das Glück hatte ich noch nie. Ich stecke die Schrotflinte in den Nacken meiner Jacke, fahre langsam auf das Tor zu und trete es mit einem Fuß auf.
Der Gashahn schlägt am Ende an, als ich die Kupplung kommen lasse und die Straße entlang rase. Zweiter Gang, dritter Gang, vierter Gang, ich bin raus aus diesem Dreck, ich hab’s geschafft. Jetzt kann mir keiner mehr was.

„Möchten Sie noch ein Glas Wein?“

Der Kellner schreckt zurück als ich versuche, ruckartig die Schrotflinte aus meinem Nacken zu ziehen und sieht mich entsetzt an. Dann bemerke ich, daß ich beim Spanier sitze und in Gedanken ein klein wenig abgeschweift zu sein scheine. Ich entschuldige mich bei dem verwirrt aussehenden Kellner, bestelle einen weiteren Weissburgunder und setze mich aufrecht hin. Ich bin nass geschwitzt und meine Hände zittern.

Der Kellner bringt den Wein, ich nehme einen tiefen Schluck und drehe mein Handy um, so das ich auf das Display sehen kann. Vierzehn Anrufe in Abwesenheit von meinen Brüdern, eine Spieleanfrage zu Candy Crush und eine Whats-App Nachricht, daß ich zu der Gruppe „Apokalypse now“ hinzugefügt wurde. Entweder bin ich also zu einem Filmabend mit Marlon Brando Klassikern eingeladen oder es geht ab.

Ich schnappe mir meinen Motorradhelm und verlange nach der Rechnung. Verdammt, ich werde zu alt für diesen Scheiß.

5 Kommentare

  1. Sarah
    Jul 6, 2015

    Da versinkt man ja selbst beim lesen in dieser Vorstellung. Das schreit nach einer Fortsetzung 😂

  2. OLENKOWITSCH
    Jul 8, 2015

    1A Kopfkino… „Sie war gar kein Zombie, aber…“ Danke dafür, made my lunch break 😉

  3. Kriena
    Jul 9, 2015

    „Ich weiß nicht genau, ob ich unbedingt bekifft sein möchte, wenn ich im Laufschritt mit einer abgesägten Schrotflinte über den Westenhellweg in Dortmund renne, um sabbernden Gehirnfressern zu entkommen. Wahrscheinlich schon.“

    Unbedingt! 😀
    Habe mich köstlich amüsiert, Danke!

  4. JudgeDark
    Jul 19, 2015

    Sehr köstlich! 🙂

    Eine intensive Tour, wenn man diese Geschichte liest … und das in einem relativ kurzen Text! Ja, du verstehst es einfach viele Gedanken auf kleinem Raum darzustellen und diese dem Leser näher zu bringen. Danke dafür!

    Und ja, die Ballerinas sind mehr als Grund genug! 😉

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