Kommune44

Dieser Text hier ist exklusiv für die „Kommune44“, eine elektronische Partyreihe in Dortmund, verfasst worden, in deren Rahmen ich am 28.03.2014 im Weinkeller, Dortmund gelesen habe. An diesem Abend wurde Mahan´s Geburtstag gefeiert, DJ der ersten Stunde und einer meiner Freunde und XBox-Gegner. Dank geht nochmals an Aleksander Dimitrijevic (Disha), der das ermöglicht hat und Veranstalter, DJ und dazu auch noch Freund und Kupferstecher ist.

 

Heute ist die Lesung. Verdammt, heute, jaaaa. Ich hab’s fast vergessen, obwohl Disha mich jeden Tag schon zwei Wochen vorher genervt hat.

„Ey, du Lutscha! Poste ma die Party auf deiner Seite…, was los?!“

Also nochmal den Flyer gepostet, schnell fertig machen, duschen, dabei schief singen, am liebsten Hero von Enrique Iglesias. Dann den Bart stutzen, die Haare machen, Nasenhaare inklusive, mit dem Hund vor die Tür und dann noch schnell diese Story hier schreiben.

Ja, genau. Diese Story hier. Ich hab dem serbischen Riesenbaby nämlich versprochen, dass ich eine oder sogar mehrere neue Geschichten mitbringe. Exklusiv für die Kommune-Party. Eins Live ist auch da, hat er gesagt. Ob das wirklich stimmt? Kommen die echt nach Dortmund und machen ’nen Bericht über die Party? Wär ja schon geil.

Sonst machen die ja eher Berichte über so totale Superstars der deutschen Szene, so richtig anspruchsvolle Musiker mit tiefgründigen Texten. So wie Casper.

„Alles endet, aber nie die Musik…., alles endet, aber nie die Musik!“

Ja, leider. Die Musik endet nicht, genauso wenig wie sein heiseres Gekrächze. Aber zum Glück gibt’s ja neue deutsche Künstler, Sterne am unerreichbaren Himmel des Erfolgs in der Musikbranche. Die Hoffnungen, in den von amerikanischen Stars belagerten TopTenCharts. Marteria zum Beispiel. Den gibt es.

„Oh, mein Gott, dieser Pimmel!“

Ich will mich ja jetzt nicht nur über andere aufregen, aber irgendwie doch. Das hat zwei Gründe. Erstens weiß ich nicht, über was ich sonst schreiben soll, damit ich heute Abend eine Story fertig habe, die ich den Deppen andrehen kann, die tatsächlich sechs Euro Eintritt bezahlt haben um einem selbstverliebten, tätowierten Assi beim Saufen und Lesen zuzusehen und zweitens finde ich es echt bedenklich, wer heute so in den Medien abgefeiert und als Star verkauft wird, während sich echte Musiker und DJs für ein paar Markfuffzich seit Jahren durch die Clubs schieben und nebenbei Taxi fahren müssen, damit sie am kacken bleiben. Das ist irgendwie unfair. Also finde ich jedenfalls.

So wie dieser Typ mit dem Gangnam-Style, wie hieß der noch gleich? Genau…, Kim Jong Un. In Nordkorea hat der jetzt übrigens auch per Gesetz beschlossen, dass alle Männer in seinem Land, die gleiche Frise haben müssen wie er selbst. Also jeder hat die gesetzliche Pflicht auf dem Kopf so auszusehen wie eine Mischung aus der Prince von Bel Air und Jackie Chan.
Da haben die Frauen in Deutschland aber Glück, dass Frau Merkel nicht auf solche Ideen kommt und ihre Frisur verordnet und verlangt, dass alle Bürger beim Tanzen in Clubs ihre berühmte Fingerpyramide machen müssen.

Wie bin ich darauf gekommen? Ich schweife ab, diese Story hier muss fertig werden, verdammt. Über was soll ich schreiben? Da stehen und sitzen sie vor mir, glotzen mich an und erwarten was für ihr Geld und ich hab nur Scheisse parat. Was könnte ich denn…, ach ja, genau! Ich schreib was, wo alle automatisch klatschen müssen und ein paar Idioten so Geräusche machen wie:

„Whoooohooooo,“

Ich schreib, dass Mahan Geburtstag hat!
Hat er gar nicht, hatte er am Mittwoch. Wetten, die klatschen trotzdem. Mittwoch waren wir im El Mundo mit Mahan und haben uns schön einen hinter den Knorpel gegossen. Wolfi hatte uns teuflische Whiskey Sour gemixt und die ganz mutigen unter den Feiergästen würzten ihr Essen mit Painmaker Sauce, irgend so einem Zeug mit 137 Milliarden Skoville…, so scharf, dass man danach beim Pissen aufpassen muss, dass sich dein Schwanz nicht in eine Bratwurst verwandelt. Der Geburtstag war lustig, obwohl einer gefehlt hat. Disha war nicht da. Er musste für heute Abend üben, hat er gesagt. Üben? Ich dachte, der dreht an ein paar Knöpfen und spielt nicht die Nationalhymne auf der Okulele. Na ja, was solls.

So, Mahan, Casper, Marteria, was könnte ich noch schreiben? Ich kann nicht immer über meinen Durchfall schreiben, das wird mit der Zeit langweilig. Vielleicht über Drogen. Nee, ist auch blöd, damit hat hier ja keiner was am Hut, ist ja ne coole, cleane Clique, diese Kommune-Leute. Über den Schimmelgeruch im Weinkeller kann ich auch nicht schreiben, dann krieg ich Ärger mit dem Veranstalter, und ich will ja niemandem auf die Füße treten.

Da bleibt nicht mehr viel Potential für ’ne ordentliche Story. Über Hipster macht man keine Witze mehr, über Behinderte auch nicht…, oh jetzt hab ich mich wiederholt. Was ist aus dem deutschen Humor geworden? Man darf nichts mehr sagen, ohne dass die Leute einem aufs Maul hauen wollen. Lachen ok, aber in politisch korrektem Rahmen. Ihre Türkenwitze machen die Leute nur in der Fabrik am Kaffeeautomaten unter Gleichgesinnten, wenn keiner hinguckt. Nee, zum großen, verordneten Lachkick geht man heutzutage ins Olympiastadion zu Mario Barth. In dem Laden sind ja schon so einige Komiker recht erfolgreich aufgetreten.

Ich hab schon wieder den Faden verloren. Die Story! Ach, weisse was? Ich scheiss drauf. Die Kohle hab ich im Sack, angesoffen bin ich jetzt mittlerweile auch und irgendwie kommt hier eh nur noch Scheisse bei raus.

Ich hör jetzt auf mit schreiben, mit lesen und mit diesem ganzen „Oh, seht mich an, ich sitze an einem Tisch und spreche in ein Mikro“ Kram. Es reicht jetzt mit der Lästerei und dem Selbstbeweihräuchern. Ich gehe jetzt zum Tresen, hole mir was zu trinken und feiere mit den ganzen anderen Ärschen eine geile Party. So wie immer.

Heute ist schließlich Kommune, ihr Lutscha!

1 Kommentar

  1. JudgeDark
    Apr 3, 2014

    „… so scharf, dass man danach beim Pissen aufpassen muss, dass sich dein Schwanz nicht in eine Bratwurst verwandelt“.

    Ich brech ab … und zudem stelle ich mir gerade meine Frau mit dieser speziellen Merkel-Friese vor! 😀

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