Von Prinzen und Prinzessinnen

Draußen kehrt mal wieder der Winter zurück und auch das angefressene Gemüt des ein oder anderen Mitmenschen ist von der Kälte gelähmt und wiegt schwer wie die Schneedecke auf unseren Autodächern. Frei nach dem Motto „Es muß nicht immer Kamelle regnen“ gibt es heute einen Text von Gastautorin Quy M. Nguyen auf die Augen. Kurz, tief, ehrlich, danke.


Von Prinzen und Prinzessinnen
Wo früher Glück und Liebe Einzug erhielten, ist die Ungewissheit nun das vorherschende Gefühl, das sich meiner bemächtigt. Eine Mischung aus Angst und Unsicherheit vor dem Ungewissen macht sich breit.
Der Ungewissheit, sich selbst und seinen Partner zu betrügen oder die Angst gemeinsam gemächlich ins Verderben zu gehen. Die Zeiten in denen mein Glück für meinen Partner an höchster Stelle stand, sind längst um. Was ich bemerke ist die Last, die meine Wünsche mittlerweile geworden sind. Ich spüre wie ihm mein Glück zur Last wird. Wie genervt er von mir und meinen Bedürfnissen ist.
Anfangs nicht genugbekommend, süchtig nach meiner Gegenwart, habe ich nun das Gefühl, als sei jenes Gefühl ins Gegenteilige umgeschlagen. Der Liebe zum Verdruss. Der Akt der Liebe ein monotoner Mechanismus, dem Zwang seiner Triebe gut genug. Ein Akt zweier Menschen, die zusammen ein Paar bilden. Monogam sind, sich treu ergeben, gefangen in ihrem eigens gewählten Gefängnis aus Trugschlüssen und falschen Projektionen. Die Realität dringt durch, die Träume zerbersten. Der Prinz ist ein Falscher, die Prinzessin nicht da.

Wut steigt auf, die Sehnsucht nach vergangenen Tagen rückt näher und doch siegt die Gewissheit der Ernüchterung von Tag zu Tag. Die Zeit tickt. Sekunde um Sekunde, Minute um Minute, Stunde um Stunde, Tag um Tag. So vergehen Monate, Jahre und womöglich Jahrzehnte voll mit falschen Hoffnungen und womöglichem Greuel. Die Reue macht sich breit. Die Reue um ein Leben, dass hätte anders aussehen sollen, als es ist. Unzufriedenheit hängt Tag für Tag in der Luft. Ich selbst erkenne mich nicht wieder. Negativität, Launenhaftigkeit und Boshaftigkeit wird mir angelastet und Verbitterung wird mit jedem Atemzug zum Teil meines Wesens. Ich erkenne die Person an meiner Seite nicht wieder. Der Weg der uns hierher geführt hat, brachte uns auseinander. Nach außen getragenener Missmut wird geschwängert von purem Überdruss. In Nächten wie diesen, wird Ignoranz gezeugt, die meine Erkenntnis über damalige Ohnmächtigkeit untermauert. Als Trost meine Heilung gewesen wäre, mein Unglück im gesprochenem Wort Gestalt annahm, wurde ich des Schweigens gebeten.

5 Kommentare

  1. Bisley
    Mrz 12, 2013

    Vielen Dank an Quy M. Nguyen für diesen Text…, wenn ihr mehr sehen wollt, checkt http://theaestheticsofresistance.blogspot.de/

    • Mrs. Nguyen
      Mrz 18, 2013

      Ich freu mich auf ein baldiges Wiedersehen mit dir und Wanda. <3

  2. まぁ片想いであれば自分はシーズンで終わっちゃいそうですねパンダ

  3. Cathy
    Apr 22, 2013

    Finde mich wieder… schöner Text.

  4. Gero Freudenstein
    Nov 4, 2013

    Ein toller Text zum Winterbeginn Frau Nguyen. Ich hoffe da kommt noch mehr

Kommentar absenden