Warten auf´s Leben

Ich nahm drei Groschen, hob den Hörer ab und fütterte den Fernsprecher. Die Telefonzelle konnte man von drei Seiten einsehen, ihre Rückwand wurde von einer Poststelle geschützt. Mein Blick wanderte über das Fahndungsplakat der RAF, das an der Eingangstür zur Filiale klebte. Ich war dreizehn Jahre alt. Die Telefonzelle war gelb. Eckig und gelb. Drei dicke Telefonbücher mit dünnen, speckigen Seiten, pergamentartig und von der Konsistenz an ein Mad-Magazin erinnernd, hingen in den schwarzen Bakelit-Arretierungen. Kleine Brandflecken von abgelegten und vergessenen Kippen zierten den Kunststoff. Es war Mittwoch, ich hatte in der ersten und zweiten Stunde Englisch, nach der Pause zwei Stunden Mathe. Meine dreißig Pfennig klickerten durch das Zählwerk des...

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