Ey, Prenzelberg ist eh out und Neukölln das neue Friedrichshain

Um meine eigene Kreativblockade geschickt auszublenden, hier ein Artikel eines Gastautors. Pippo ist Exil-Dortmunder und lebt nun in der Stadt, in der niemand wohnen will aber wo doch alle hinziehen… Bühne frei:

Ich lebe und wohn jetzt seit gut 10 Tagen in Berlin und bald geht es in die eigene Butze. Den Weg gehen viele, gerade als „Medienfutzi“. Aber schon jetzt wird mir bewusst, ihr Fotzen habt doch alle gelogen. Ich bin über Umwegen von Dortmund nach Berlin. Dazwischen lagen noch ein paar Zwischenstationen. Die erste die mich aus der Biermetropole trieb war der Bodensee. Klingt gut, jeder Rentner kriegt glänzende Augen und auch ich blicke positiv zurück mit dem Resultat zu sauber, das einzige was dreckig war, waren die Studentinnen. Nächster Stop war in der Leprakolonie Salzgitter (auch bekannt unter Salzgaza oder Salzghetto)…hier mag ich nicht näher drauf eingehen, da die traumatisierenden Erlebnisse mit der lokalen dahin vegetierenden Bevölkerung und dem Dschungelcamp-leben noch zu frisch sind. Eins mag ich wohl festhalten: Wenn es ein Atomendmülllager geben muss, dann ist dies der richtige Ort.
Soviel zu meinem aufregenden nicht-Bagpacker-Vietnam-Laos-Cambodscha oderTrendsportarten Leben. Ich komm allerdings gut klar damit…
Jetzt der Schritt nach Berlin. Hofiert natürlich auch meiner Reputation in Dortmunder Gefilden. Ich bereue es im Nachhinein, dass überhaupt irgendwem zu erzählt zu haben, allein um mir die ganzen Kommentare zu ersparen. Denn irgendwie scheint jeder ausgewiesener Berlinexperte zu sein, kennt man sonst nur vom Fußball, oder? Was habe ich für Ratschläge bekommen, wo es am „kiezigsten“ ist, wo man am geilsten feiern gehen kann und watt weiß ich nicht noch alles. Das lag mir schon damals im Hals wo ich es das erste Mal gehört habe, denn im Endeffekt ist das alles subjektiver hab-ich-mal-gehört-Käse gepaart mit ich-besuch-1x-im-Jahr-die-Franzi-in-Kreuzberg.
Jetzt kann ich auch den Prass meiner Ur-Berliner Freunde auf die zujezogenen verstehen (deren Hass beschränkt sich momentan noch auf die reichen Schwaben). In Hohenschönhausen trägt keiner ne´Cheap Monday und pult sich in nen Urban Outfitters-dress, gleiches in Wedding oder anderen nicht gefluteten Studi und Yuppie Vierteln.
Und da hat es bei mir „klick“ gemacht. Die Hipster von heute sind einfach die Popper von gestern oder wie die Mods früher, die ja auch schon ein wenig femininer waren (sich aber noch wenigstens gerade gemacht haben). Die steilen Hinweise aus Dortmund wo es in Berlin angeblich am coolsten ist, sind eigentlich nur Hilferufe selber aus seinem eigenen Loch zu kommen um in eine bessere noch coolere Welt abzutauchen. Ich will niemanden Illusionen leben, aber es ist dann doch komplexer anzusehen als der Mikrokosmos des Westparks. Berlin ist eigentlich viel mehr. Berlin ist Sonnenstudio Jogginghose und BFC Dynamo, Berlin ist Kaputzenpulli und Leuten die sich Gedanken um das politische Weltgeschehen machen, Berlin ist Feiern oder Arbeiten, Berlin ist Vietnam-Türkei, Berlin ist pervers und echauffierend und noch vieles vieles mehr.
Worauf ich im Endeffekt hinaus will: Lechzt nicht immer immer so nach dem anderen sondern macht was aus dem bestehenden, lebt einfach mal euren Kiez! Wie dem Typen von der Inselbude vonner Saarlandstraße…Besetzt selber Häuser und schmeisst Steine wenn euch was nicht passt!
Seid oder bleibt nicht so farblose Hipster, sondern seid mal Borussia Dortmund oder Nordstadt, Kurde, Thier Pils oder Mettbrötchen. Berlin ist nicht die Welt, die Welt seid ihr selbst (hab gerade selber Fremdscham).
Pippo

2 Kommentare

  1. Bisley
    Feb 8, 2012

    Du sprichst mir aus der Seele….

    • Pippo
      Feb 12, 2012

      Achja… und Manchester das neue London. 😀

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