Fondue or not to be

Neujahr, erster Januar, alles wird besser. Bis ich auf mein Handy sehe und merke, daß schon der zweite Januar ist. Super, das Jahr beginnt und ich verpasse schon den Anfang. Dann war das also doch kein Traum, gestern gab´s wirklich. Ich habe nur ein kurzes „hell-dunkel“ vor dem Fenster aufblitzen sehen, ich konnte ja nicht ahnen, daß das ein Tag und eine Nacht war. Es wäre für einen Traum allerdings auch ein wenig zu realistisch gewesen.

Dieser Geschmack nach dem Aufwachen. Als wäre eine Katze in meinem Mund gestorben, nicht jedoch ohne vorher in meinen Hals zu scheißen. Die Augen angeschwollen und gerötet wie nach einem Amsterdam Urlaub, dazu einen Muskelkater, den ich mir nicht erklären konnte. Ich habe es gestern gerade eben so hinbekommen die Standardwege abzuarbeiten. Das beschränkte sich in diesem Fall auf die Hunderunde, meinen eigenen Toilettenbesuch und eine rudimentäre Nahrungsaufnahme. Und das war´s.

Ich hatte diesen wöchentlichen Selbsthass als ich aufwachte. Hass auf mich weil ich es mir schon wieder so hart besorgt habe, daß mir nicht nur der Schädel pulsiert sondern auch der halbe Abend aus meiner Erinnerung getreten wurde. Silvester!

Was für eine scheiß Erfindung. Es geht doch schon Monate vorher los mit dem Streß. Jeder fragt dich ab Anfang September was du an Silvester machst. Immer die gleiche Frage, in einer Regelmässigkeit, die nur von der Schlagzeile „Wieder Konflikte am Gaza Streifen“ übertroffen wird. Und das schlimmste ist, daß man auch immer dasselbe darauf antwortet.

„Ach, du, Silvester ist mir nicht so wichtig. Ich sehe erst mal mit meiner Freundin „Dinner for one“ und dann trinke ich mit Kumpels und Anhang zu Hause ein wenig. Um zwölf gehen wir raus. Böllern. Aber nicht so viel, woanders verhungern sie und wir zünden das Geld an. Auf jeden Fall gehen wir nicht weg, Silvester im Club ist schrecklich!“

Dann kriegt man Streß mit der Alten weil man vergessen hat den Spiritus für das beknackte Fondue zu kaufen. Während man sich gegenseitig eine neue Frisur brüllt verpasst man den besoffenen Freddie Frinton im WDR und die Kumpels kommen ohne Anhang, da sie den gleichen Mist zu Hause erlebt haben. Anschließend verböllert man um zwölf ein dreizehntes Monatsgehalt und da man nach dem 27sten Magazin aus der Gaspistole eh einen Tinnitus sein Eigen nennen darf, kann man auch getrost noch die 150 Dezibel aus den Lautsprechern im Club hinterher jagen.

Das war natürlich eine rein fiktive Darstellung eines Silvesterabends, bei mir lief das etwas anders ab. Da ich Single bin kann man den ersten Part getrost weglassen…, Dinner for one eigentlich auch…, geböllert hab ich gar nicht…hmmm. Scheiße, ich bin also den ganzen Abend nur in diesem scheiß Club gewesen!

Ich kann mich noch daran erinnern, daß Bosek und ich bei mir saßen und um halb zwölf beschlossen haben, die Trainingshosen gegen Jeans zu tauschen und entgegen aller Vorsätze doch noch auf ein „Bierchen“ feiern zu gehen. Umgezogen, zwei bis drei Williams-Christ-Birnen gegurgelt und los. Bakuda-Club!

Vor der Tür des Clubs angekommen schlägt die Uhr Mitternacht, man umarmt sich, wünscht sich gegenseitig ein frohes Neues und das war´s. Ab diesem Moment ist der Abend wieder ein ganz normaler Abend. An den Tresen gelehnt bestelle ich einen von vielen weiteren Vodka-RedBull und beobachte das Treiben auf der Tanzfläche. Ich versuche mir eine Preisverleihung für den verstrahltesten Gast auszumalen und meine Augen suchen den Raum nach einem passenden Preisträger ab. Ich kann mich nicht zwischen dem Typen mit den Kieferkicks und dem Mädel in dem neonfarbenen Röckchen und dem Knicklicht im Maul entscheiden. Bosek kommt zu mir und verabschiedet sich.

 

Ich: „Warum willzu getz scho lohos, Alder?“

Er: „Sascha, es ist gleich sechs Uhr und so wie DU aussiehst solltest du auch gehen!“

Ich: „Dange, Kumbel, ich bleib noch!“

 

Ich hätte auf ihn hören sollen, denn nachdem er gegangen ist gehe ich zur Toilette, wenn man das Loch im gefliesten Boden des Bakudas so nennen darf, und werfe einen Blick in den Spiegel. Shit! ICH bin der Preisträger heute Abend, denn ich bin jedenfalls optisch der Verbimmelteste hier im Raum. Ich sollte gehen. Nachdem ich gemerkt habe, daß Bosek nicht seit zehn Minuten sondern seit vier Stunden weg ist, traue ich mich ins Sonnenlicht. Der Taxifahrer hält den Atem an als ich einsteige und atmet nicht mehr bis er mich nach Hause gefahren hat. Aus Sicherheitsgründen.

Der Hund ist sichtlich froh, daß ich wieder da bin, bis er bemerkt wie sehr ich stinke. Toll. Ein Wesen, daß seine Zeit damit verbringt ihre Pflaume zu lecken und an der Pisse anderer Artgenossen zu riechen, wendet sich von mir ab. Ich taumel noch ein paar Minuten mit Wanda um den Block und gönne ihrer Nase etwas Pisse um mich aus ihrem Gehirn zu löschen und krieche dann hinter ihr die Treppen zu meiner Wohnung hoch.

Ich kann mich noch daran erinnern etwas wie „verficktes, neues Jahr“ gemurmelt zu haben. Als ich morgens ohne Unterhose und mit meinem Schwanz in der Hand aufwache, realisiere ich den kläglichen Versuch der nächtlichen Selbstbefriedigung und bemerke anhand der fehlenden Verkrustungen in und um meinen Bauchnabel, daß dieser, ähnlich wie der gestrige Abend, nicht unbedingt erfolgreich verlaufen ist. Den Rest kennt man. Nächstes Jahr also definitiv Fondue…

 

1 Kommentar

  1. Dinonisus
    Jan 3, 2012

    Jaaaa mann! Ich bin dein Fan. 😉

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