Im Norden geht die Sonne auf!

Dienstag abend, die Sonne steht in vollem Orange über der Nordstadt. Eine fette, hässliche Katze schleicht an meinem Küchenfenster vorbei, hält kurz inne, schickt mir einen sehr langsamen Augenaufschlag und hechtet für ihren fetten Bauch unangemessen flink vom Vordach in Richtung Mülltonnen. Sie wird kein Glück haben bei ihrer Suche nach Essbarem, die Müllcrew der Dortmunder Stadt, die ganz nebenbei gesagt aussieht wie die Band von der Muppet Show, hat ganze Arbeit geleistet. Nachdem ich vor einem Jahr mal einem der Jungs, bei der Muppet Show wäre der Saxophonist mit Zopf und Sonnenbrille sein Pendant gewesen, einen frisch gebügelten zehn Euro Schein in die vom Tonnenschieben gebeutelte Hand gedrückt habe, erscheint mir meine Mülltonne immer sauberer...

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Highway to Heels

Ich bin wieder auf der Autobahn unterwegs, entspannt diesmal. Kein Drängler regt mich auf, kein langsamer LKW bringt mich um den Verstand, ich fühle mich gut, sehr gut sogar. Liegt es an der Sonne? Ja! Merkwürdig, wie dieser simple Feuerball nicht nur die Stadt, die Autobahn und das innere meines KFZ sondern auch mein Gemüt erhellt. Ich grinse, klopfe im Takt der Musik auf das Lenkrad und erwische mich sogar dabei wie ich Überholvorgänge zugunsten Schnellerer abbreche ohne den Drang zu verspüren aus einem geheimen Schlauch unter meinem Fahrzeug Öl auf die Fahrbahn zu spritzen, wie es sonst dem Aston Martin von Mr. Bond vorbehalten war. Ich bin gut drauf, das kann ich ruhigen Gewissens behaupten. Es ist eine Mischung aus aktueller Begeisterung für die...

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Erinnere Dich!

Die Tür steht sperrangelweit offen und eine kalte Brise aus meinem Hausflur macht mir klar, daß heizen nicht nur auf der Landstraße teuer werden kann. Bei mir ist Durchzug angesagt. Erstens um den Duft aus der Wohnung zu kriegen, den mein Staubsauger verursacht hat. Es ist schon etwas gewöhnungsbedürftig ein Gemisch aus alter Zigarettenasche, Staub und Hundehaaren aufzusaugen und es dann auch angenehm zu finden. Zweitens um meinem neuen Nachbarn die Möglichkeit zu geben, die Wohnung zu betreten ohne diese total nervige Klingel zu betätigen, die sich vom Sound her so ein bißchen anhört wie ein altes Schaf mit Bronchitis. Und drittens hab ich vergessen aber irgendwas ist ja immer… Mein Nachbar wohnt über mir und wenn ich ihm nicht gerade damit drohe,...

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Enter the real world!

Eine Woche zurück aus dem Urlaub und ich könnt schon wieder ins Flugzeug steigen. Man verflucht die Wartezeiten, die engen Sitze in der Holzklasse, die labberigen Baguettes oder die trotz Überwürzung schrechklich fade schmeckenden Gerichte, die einem mit der monotonen, gelangweilten Frage „Pasta or Chicken?“ serviert werden. Trotz dieser ganzen nervenaufreibenden Einschränkungen wäre ich jetzt lieber nicht hier. Hier, das ist die Arbeit! Ich sympathisiere heute wirklich mit japanischen Atomforschern und könnte mir auch gut vorstellen, meinen Arbeitsplatz unter einem Schutzmantel von Sand und Beton verschwinden zu lassen. Arbeiten ist ja auch irgendwie ein Super-GAU…, obwohl, da GAU ja die Abkürzung für „grösster anzunehmende Unfall“ ist,...

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Leaving New York!

Schon vorbei! Schade, denke ich so bei mir…, nein, ich habe es nicht gedacht, ich habe es anscheinend laut gesagt. Der schlecht gekleidete Herr drei Sitzreihen vor mir dreht sich verängstigt um und täuscht einen Blick über seine schuppenverzierte rechte Kragenseite vor, der angeblich nicht mir gelten sollte, schlechter Versuch. Ich sitze im Terminal 3 des John F. Kennedy Airports, JFK, wie die Locals sagen oder auch Jay-Ay-Ay, wie der koreanische Taxifahrer gerade noch dreimal nachfragte bevor er mich mit einem sicher sehr nett gemeintem „Hay-Ay-Nayce-Tlip“ verabschiedete. Ich kam mir in Chinatown schon immer total bescheuert vor, wenn ich das Gefühl hatte den Leuten sagen zu müssen, daß mein Chinesisch etwas eingerostet sei, bevor ich bemerkt...

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