Granada – Immer eine Reise wert

Das erste Mal wirklich wahrgenommen hatte ich dieses Fahrzeug als kleiner Junge, auf der Couch vor dem Fernseher sitzend. Ich mampfte ein paar Chips der Billigmarke „A&P“ von Tengelmann. Das Kürzel stand für „Attraktiv und Preiswert“, wurde von Klassenkameraden allerdings schnell zur Abstufung Kinder mittelloser Herkunft verwendet und unter der Bedeutung „Asozial und Primitiv“ gehandelt. Meine Mutter füllte mir eine kleine, hölzerne Schale mit diesen Chips, Geschmacksrichtung „asoziale Paprika“ und ich nahm auf dem zerknautschten Zweisitzer unserer grauen Couchgarnitur von Möbel Schäfer platz, um mir etwas im TV anzusehen. Es muss so um 1981 gewesen sein, denn es war eine Erstausstrahlung oder zumindest...

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Das Licht im Kopf

Der Bildschirm leuchtete mir den Weg in ganz neue Gefilde, ich sass am Rechner und durchstöberte alle Seiten im Netz, die mir Infos zu diesem Thema zukommen lassen oder auch nur im Entferntesten damit zu tun haben. Und das waren einige. Manche scrollte ich mit einem Affenzahn durch ohne wirklich etwas aufzunehmen, andere wurden schnell und unsauber quergelesen, bei ein paar Seiten blieb ich allerdings hängen, entdeckte Bilder und Erfahrungsberichte. Danach hatte ich gesucht. Bodymodification, Tattoos, Piercing und…, jaaa, endlich. Suspensions. Aufhängungen heisst es auf den deutschsprachigen Seiten.     Ich hing mit zusammen gekniffenen Augen vor dem Bildschirm und saugte alles auf. Mein Mund war leicht geöffnet, ich wirkte sicher etwas neben...

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Deutschland – Ein Ammenmärchen

Lustig ist das Zigeunerleben! Nein, ist es nicht!

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Steiff wie ein Bär

Ich habe mir keine Gedanken gemacht, wie so oft. Bei fast allen Deadlines bin ich der Letzte, der, der alles bis zum letzten Moment hinaus schiebt und dann einen Tag vorher da sitzt und sich überlegt, was überhaupt die Vorgabe war.   Eine Vorgabe hatte ich in diesem Fall gar nicht. Ich sollte meinem Lehrer lediglich bis heute mitteilen, in welchem Betrieb ich mein Schulpraktikum machen sollte. Gehemmt von chronischer Unlust und Trunksucht schob ich diese Entscheidung seit Monaten vor mir her. Ich hatte nicht den Hauch einer Idee. Mitschüler freuten sich auf ihr Praktikum und berichteten schon Wochen vorher davon, wie sehr sie sich darauf freuten, endlich in der Firma ihres Onkels mit anpacken zu können.   Ich wusste bei diesen Ausführungen nie, ob...

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Apokalyptusbonbon

Meine Fresse! Patatas Brava sind echt lecker, mit dem Knoblauchanteil verliert man allerdings alle Freunde für die kommenden drei Tage. Die ölige Suppe, in der sie liegen und mich anlächeln wird gierig von meinem Weißbrot aufgesaugt und wärmt mir die glänzenden Fingerkuppen, bevor der olfaktorische Nahkampf in meinem Mund verschwindet. Ich grinse. Essen ist was richtig Gutes. Mir fallen außer Ficken, Trinken und feuchtem Klopapier wenig Dinge ein, die mich so debil lächeln lassen. Das Restaurant ist eine Tapas-Bar. Nicht diese supermodern beleuchteten Yuppieläden, in denen es Gletscherwasser für acht Euro gibt und die Kellner so Sachen sagen, wie: „Hi there, mein Name ist Paul-Johann-Maria und ich sorge heute für euer leibliches Wohl“ Nein,...

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El Condor Pasa

Ich hasse Chuck Taylors. Diese Leinenturnschuhe, die nicht nur Scheisse aussehen, sondern auch noch extrem schädlich für die Füße sind, haben mir noch nie gefallen. Trotzdem hab ich welche. In Camouflagemuster. Sie sind halt praktisch und nehmen selbst im Handgepäck nicht zu viel Platz weg. Ich fliege gleich nach Hause, also nach Düsseldorf, was Gott sei Dank nicht mein Zuhause aber mein Flugziel ist. Die letzten Sandkörner schüttel ich aus den Chucks, packe sie in die blaue Ledertasche, die mein einziges Gepäck sein wird, und fahre mit meiner alten Freundin in Richtung Flughafen. Wir haben uns vor zwanzig Jahren kennengelernt und uns seitdem nicht mehr gesehen. Letzte Woche hab ich sie dann auf Facebook entdeckt, irgendwo in der Freundesliste einer...

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Amputationen, Nutten und andere Zufälle

Klaus ist tot. Seit ein paar Jahren schon. Er kam aus Regensburg, war ein bekannter Tätowierer, Lottogewinner, Lebemann, Alkoholiker und Millionär, eine wunderbare Mischung. Zum ersten Mal getroffen habe ich Klaus in den 90ern auf irgend einer Tattooconvention in Österreich, wo wir beide gearbeitet haben. Danach haben wir uns für ein paar Jahre aus den Augen verloren. Bis zu diesem Urlaub in Bulgarien, in dem Klaus mir die unglaublichste Geschichte erzählte, die ich jemals gehört habe. Eine Geschichte, die so absurd war, dass sie eigentlich nicht wahr sein konnte. Eine Geschichte über das Schicksal, über vermeintliche Zufälle und über göttliche Fügung. Wir haben alle noch verschlafene Gesichter, teilweise mit Liegefalten des Kopfkissens auf der...

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