Das schöne Gefühl

Eigentlich geht es immer nur darum, um das schöne Gefühl. Jedenfalls ist das bei mir der Fall und ich bin fest davon überzeugt, daß das bei Anderen auch so ist. Sicher ist das schöne Gefühl für jeden irgendwie anders, aber im Grunde auch irgendwie gleich. Es löst Dinge aus. Im Körper oder im Geiste, der Seele, wie immer man das nennen möchte. Eine Art von Behagen, wie die Vorstellung, im Winter vor einem Kamin zu sitzen. Ein Zustand, bei dem man gerne tief einatmen und beim seufzenden Ausatmen all das Negative, das Unbehagen, den Stress oder die Ängste freigibt. Sie verschwinden sicher nicht, aber sie verlieren an Gewicht, an Bedeutung und sie können einem in diesem Moment nichts mehr anhaben. Keine Bremse mehr im Gehirn, keine Grübeleien über...

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Livesex mit Folgen

Tommy! Tommy! Tommy! Wie oft ich an diesem Abend seinen Namen geschrien habe… Und nicht etwa, weil ich vor ihm kniete und er es mir besorgt hat. Nein, weil es alle 10 Minuten nötig war, ihn zur Raison zu bringen. Dabei war er der, der uns retten sollte, der, der uns den Abend versüßen und diesem scheiss Tag ein würdiges Ende anknoten sollte. Eigentlich… Ich fange besser ganz vorne an. Ich arbeitete an diesem Samstag als Piercer für das Tätowierstudio, in dem ich angestellt war, auf einer Erotikmesse. Ich hasse diese Messen. Freitag, Samstag, Sonntag. Etwa 15.000 Idioten schieben sich auf der Suche nach Inspiration für Ihr verkacktes Sexleben durch die mit billigen Ständen bestückte Halle und bleiben hier und da stehen, bestaunen Dildos mit...

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Granada – Immer eine Reise wert

Das erste Mal wirklich wahrgenommen hatte ich dieses Fahrzeug als kleiner Junge, auf der Couch vor dem Fernseher sitzend. Ich mampfte ein paar Chips der Billigmarke „A&P“ von Tengelmann. Das Kürzel stand für „Attraktiv und Preiswert“, wurde von Klassenkameraden allerdings schnell zur Abstufung Kinder mittelloser Herkunft verwendet und unter der Bedeutung „Asozial und Primitiv“ gehandelt. Meine Mutter füllte mir eine kleine, hölzerne Schale mit diesen Chips, Geschmacksrichtung „asoziale Paprika“ und ich nahm auf dem zerknautschten Zweisitzer unserer grauen Couchgarnitur von Möbel Schäfer platz, um mir etwas im TV anzusehen. Es muss so um 1981 gewesen sein, denn es war eine Erstausstrahlung oder zumindest...

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Das Licht im Kopf

Der Bildschirm leuchtete mir den Weg in ganz neue Gefilde, ich sass am Rechner und durchstöberte alle Seiten im Netz, die mir Infos zu diesem Thema zukommen lassen oder auch nur im Entferntesten damit zu tun haben. Und das waren einige. Manche scrollte ich mit einem Affenzahn durch ohne wirklich etwas aufzunehmen, andere wurden schnell und unsauber quergelesen, bei ein paar Seiten blieb ich allerdings hängen, entdeckte Bilder und Erfahrungsberichte. Danach hatte ich gesucht. Bodymodification, Tattoos, Piercing und…, jaaa, endlich. Suspensions. Aufhängungen heisst es auf den deutschsprachigen Seiten.     Ich hing mit zusammen gekniffenen Augen vor dem Bildschirm und saugte alles auf. Mein Mund war leicht geöffnet, ich wirkte sicher etwas neben...

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Deutschland – Ein Ammenmärchen

Lustig ist das Zigeunerleben! Nein, ist es nicht!

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Steiff wie ein Bär

Ich habe mir keine Gedanken gemacht, wie so oft. Bei fast allen Deadlines bin ich der Letzte, der, der alles bis zum letzten Moment hinaus schiebt und dann einen Tag vorher da sitzt und sich überlegt, was überhaupt die Vorgabe war.   Eine Vorgabe hatte ich in diesem Fall gar nicht. Ich sollte meinem Lehrer lediglich bis heute mitteilen, in welchem Betrieb ich mein Schulpraktikum machen sollte. Gehemmt von chronischer Unlust und Trunksucht schob ich diese Entscheidung seit Monaten vor mir her. Ich hatte nicht den Hauch einer Idee. Mitschüler freuten sich auf ihr Praktikum und berichteten schon Wochen vorher davon, wie sehr sie sich darauf freuten, endlich in der Firma ihres Onkels mit anpacken zu können.   Ich wusste bei diesen Ausführungen nie, ob...

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Apokalyptusbonbon

Meine Fresse! Patatas Brava sind echt lecker, mit dem Knoblauchanteil verliert man allerdings alle Freunde für die kommenden drei Tage. Die ölige Suppe, in der sie liegen und mich anlächeln wird gierig von meinem Weißbrot aufgesaugt und wärmt mir die glänzenden Fingerkuppen, bevor der olfaktorische Nahkampf in meinem Mund verschwindet. Ich grinse. Essen ist was richtig Gutes. Mir fallen außer Ficken, Trinken und feuchtem Klopapier wenig Dinge ein, die mich so debil lächeln lassen. Das Restaurant ist eine Tapas-Bar. Nicht diese supermodern beleuchteten Yuppieläden, in denen es Gletscherwasser für acht Euro gibt und die Kellner so Sachen sagen, wie: „Hi there, mein Name ist Paul-Johann-Maria und ich sorge heute für euer leibliches Wohl“ Nein,...

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