Der Schrott der Engel
So hatte ich mir das gar nicht vorgestellt. Es ist riesig, heiß und stickig, ja, aber irgendwie auch gar nicht so wie erwartet. Erwartungen hatte ich ja nicht besonders viele, Los Angeles jedoch hatte ich mir anders vorgestellt. Irgendwie dreckiger, lauter und auf den ersten Blick auch gefährlicher. Vor ein paar Stunden war ich noch in Iserlohn, das hat mir mehr Angst gemacht. Nun stehe ich am Ausgang des LAX, ein Flughafen mit eigener Postleitzahl, warte auf mein Taxi und weiß gar nicht wo ich hin will. Ich habe weder ein Hotel noch eine Ahnung wie ich in dem besoffenen Kopp überhaupt eine annehmbare Entscheidung treffen könnte. Delta Airways ist schmuddelig und die Flugbegleiterinnen sind extrem hässlich. Vielleicht nicht immer. Bei meinem Flug schon. Aber...
MehrA bavarian in Dortmund
Hier ein Artikel über das Auswandern im großen Stil…, ein Bayer in Dortmund, von Gastautor Thomas Selzle: Ich wusste, was ich wollte, und glaubte zu wissen, was mich erwartet, als ich mich an einem Märztag in meinem altersschwachen, überbeladenen Audi vom immer noch wintergebeutelten und von grauem Altschnee überzogenen Alpenrand in Richtung Dortmund aufmachte. Ich wusste, dass ich nicht nur von München weg, sondern dahin wollte, wo Menschen Klartext sprechen; dahin, wo eine Stadt in ihrem aalglatt historisierenden Erscheinungsbild nicht von Bau-, Ordnungs- und sonstigen Behörden und von neureichen, unkultivierten Immobilienhaien, deren Geschmack sich umgekehrt proportional zu ihrem Kontostand verhält, geprägt wird; dahin, wo sich die Menschen ein...
MehrWarten auf´s Leben
Ich nahm drei Groschen, hob den Hörer ab und fütterte den Fernsprecher. Die Telefonzelle konnte man von drei Seiten einsehen, ihre Rückwand wurde von einer Poststelle geschützt. Mein Blick wanderte über das Fahndungsplakat der RAF, das an der Eingangstür zur Filiale klebte. Ich war dreizehn Jahre alt. Die Telefonzelle war gelb. Eckig und gelb. Drei dicke Telefonbücher mit dünnen, speckigen Seiten, pergamentartig und von der Konsistenz an ein Mad-Magazin erinnernd, hingen in den schwarzen Bakelit-Arretierungen. Kleine Brandflecken von abgelegten und vergessenen Kippen zierten den Kunststoff. Es war Mittwoch, ich hatte in der ersten und zweiten Stunde Englisch, nach der Pause zwei Stunden Mathe. Meine dreißig Pfennig klickerten durch das Zählwerk des...
MehrDas geht doch nie wieder weg!
Das geht doch nie wieder weg..Von außen sieht das Gebäude nicht besonders beeindruckend aus, Nachkriegsbau, wie in Hagen üblich, Waschbetonfassade, vierstöckig mit Ladenlokal im Erdgeschoß. Auf der großen Glasscheibe, die durch Lamellenvorhänge aus Siebzigerjahre-Arztpraxen gegen neugierige Blicke abgeschirmt wird, prangt in großen, roten Lettern der Schriftzug “Tattoo & Bodypiercing”. Wir schreiben das Jahr 1990. Zu dieser Zeit war ein solches Schaufenster noch eine echte Rarität und veranlasste viele Stadtbummler ihre Nase daran platt zu drücken um eine kleine, visuelle Kostprobe der dunklen Seite der Macht zu erhaschen. Eine Zeit ohne Mobilfunkgeräte für Jedermann, ohne “DSDS” und “Next Top Model”. Eine Zeit,...
MehrHappy Birthday to me!
Es muss ja nicht jedes Jahr das Gleiche sein. Ich habe Geburtstag. Heute. Letztes Jahr auch. Am gleichen Tag. Da war ich in Berlin, hab mit guten Freunden in einer Kreuzberger Bar gesessen und mir etliche Kaltgetränke verklappt. Das war eigentlich sehr schön. Auch ohne Hornbrille und asymmetrischem Haarschnitt. Es war die richtige Mischung aus “kleiner Kreis” und “wegballern”…, auf dem Heimweg nach Dortmund bekam ich dutzende Anrufe beladen mit Glückwünschen und Smalltalk. Abends feierten wir dann noch mal richtig im Bakuda-Club, für einen Dienstag Abend war die Veranstaltung mit knapp 130 Leuten auch gar nicht mal schlecht besucht. Der Tag danach war, bis auf den Kater, sehr schön. Ich mußte ja nicht aufräumen zu Hause, da das...
MehrEy, Prenzelberg ist eh out und Neukölln das neue Friedrichshain
Um meine eigene Kreativblockade geschickt auszublenden, hier ein Artikel eines Gastautors. Pippo ist Exil-Dortmunder und lebt nun in der Stadt, in der niemand wohnen will aber wo doch alle hinziehen… Bühne frei: Ich lebe und wohn jetzt seit gut 10 Tagen in Berlin und bald geht es in die eigene Butze. Den Weg gehen viele, gerade als „Medienfutzi“. Aber schon jetzt wird mir bewusst, ihr Fotzen habt doch alle gelogen. Ich bin über Umwegen von Dortmund nach Berlin. Dazwischen lagen noch ein paar Zwischenstationen. Die erste die mich aus der Biermetropole trieb war der Bodensee. Klingt gut, jeder Rentner kriegt glänzende Augen und auch ich blicke positiv zurück mit dem Resultat zu sauber, das einzige was dreckig war, waren die Studentinnen. Nächster Stop...
MehrMomentaufnahme
Der bekackte Hagel prasselt an die Scheibe des Café Max, ich bestelle die übliche Ladung guten Morgens. Englisches Frühstück, kleiner Kaffee und eine Maracujaschorle. Laura, die Bedienung, ist zügig unterwegs, Irene, die Köchin hat Bock auf meine Bestellung und so steht einem guten Start in den Morgen nichts mehr im Weg. Bis auf das Wetter, aber irgendwas hat man ja immer zum Ereifern. Vor der Tür und somit im absoluten Halteverbot steht mein neues Kfz. Ich bin den beschissenen, blaumetallicfarbenen Escort endlich los. Die letzte Fahrt zum Autohändler war eine Meisterleistung, da er rein technisch gesehen nicht mal mehr vom Hof hätte kommen dürfen. Ganze 100€ habe ich noch für das Wrack bekommen, jetzt kriegt er wahrscheinlich eine neue Kupplung, wird...
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